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Faktencheck 1

Faktencheck “nicht schummeln Liebling”

Aussage 1:  Bis Mitte der 1980er Jahre standen Taxifahrer und Taxameter in der DDR auf Kriegsfuß.
Fakt ist: Die Aussage ist logisch und historisch falsch

  1. Bis Mitte der 1980er Jahre war in der DDR kein geeigneter Taxameter verfügbar, also konnte es auch keinen „Kriegsfuß“ geben. 
  2. Die Taxiunternehmen (VEB und Genossenschaften) bemühten sich nachweislich seit 1960 um die Bereitstellung von Taxametern. Es wurde dazu ein Arbeitskreis gebildet. Es wurden  Entwicklungen in Auftrag gegeben, die aber im Ergebnis nicht den Anforderungen des Preissystems und den Einsatzbedingungen entsprachen bzw. nicht zu vernünftigen Kosten in Großserie produziert werden konnten.

Aussage 2: sowohl die staatlichen als auch die privaten Taxibetriebe mussten mit knappen Kontingenten für Treibstoff, Reifen und Ersatzteile auskommen.
Fakt ist: Die Aussage ist sachlich falsch. 

Nachweisbar standen für den Taxibetrieb ausreichende Kontingente zur Verfügung 

Aussage 3:  Manipulationen gehörten zum Überleben des Gewerbes.
Fakt ist: Die Aussage ist sachlich und historisch falsch

  1. Das Überleben des Gewerbes war in der DDR nicht durch Manipulationen gesichert, sondern durch staatliche Planung und Leitung.  Kein Taxiunternehmen konnte pleite gehen.
  2. Das Einkommen der Taxifahrer war auch ohne Manipulationen ausreichend.

Aussage 4:  Taxameter wurden von den Taxi-Unternehmen oft mit dem Argument wirtschaftlicher Gängelung abgelehnt oder von den Fahrern sogar still sabotiert. 
Fakt ist: Die Argumente sind falsch: 

  1. Taxi-Unternehmen empfanden mit der Einführung von Taxametern keine „Gängelung“, sondern sie war nachweislich dringend erwünscht (s.a. 1, Fakt b)
  2. Mit Taxametern konnten die betrieblichen Abläufe wesentlich erleichtert werden.
  3. Taxameter sind die notwendige Geschäftsgrundlage für Taxi-Unternehmen weltweit und kein Unternehmen und Taxifahrer empfindet dies als „Gängelei“, nur vielleicht einige wenige, die sich illegal der Kontrolle entziehen und Abgaben vermeiden wollten.
  4. Mit der Einführung des BOTAX 80 wurde „Schummelei“ d.h. Betrug wirksam unterbunden.
  5. Versuche einer stillen Sabotage wurden im frühem Stadium der Erprobung des BOTAX 80 von Taxifahrern (!) gemeldet. Es handelte sich um wenige Einzelfälle. Durch entsprechende Hardware- und Softwaremaßnahmen wurden gezielte Datenmanipulationen unmöglich gemacht bzw.  solche angezeigt. Bei Zerstörung des Taxameters hätte der Fahrer keine Fahrt mehr durchführen können und Schadenersatz leisten müssen. Das lohnte nicht! Ab Freigabe zum Feldeinsatz sind solche Probleme nicht mehr aufgetreten.  

Aussage 5:  Typen des Taxameters BOTAX 80 waren technisch auf dem Stand der Zeit
 Fakt ist: Der BOTAX 80 hätte von den TSD eine bessere Bewertung verdient. Mit Berücksichtigung des historischen Kontexts war er eine Pionierleistung, ist mit  staatlicher Auszeichnung geehrt und in der Chronik DDR Jahr 1985 als besonders Ereignis hervorgehoben worden.

Resümee
Der Anlass der Veranstaltung war doch die Würdigung der Entwicklung BOTAX 80 – Hier wird aber besonders die “Betrugspraxis” der Taxifahrer und Taxiunternehmen thematisiert und der BOTAX 80 ungerechtfertigt in diesem Zusammenhang gestellt. Der Text ist populistisch angelegt und zeugt von Unwissenheit über den historischen Kontext. Die Protagonisten der Entwicklung, insbesondere die Taxiunternehmen fassten diese Veröffentlichung im Internet als Diffamierung auf.